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Der "Konzernchef", der keine Armbanduhr trägt ROCKENHAUSEN/KAISERSLAUTERN: Martin Putsch, 35-jähriger Geschäftsführer von Keiper Recaro, hat sein eigenes Zeitgefühl Von Lorenz Hofstädter Die ReportageDer "Seniorenvergifter von Ransweiler" muss her Nach der Meldung über dubiose Allergie-Symptome im Alten- und Pflegeheim fordern "Presse-Geier" ihre Sensation Von Lorenz Hofstädter Auch in der RHEINPFALZ-Redaktion melden sich ganz hartnäckige Kollegen. Was es denn so zu berichten gibt über dieses "dubiose" Altenheim. Man habe ja so einiges gehört. Doch wir halten es lieber gleich so, wie es "de Jockel" erst nach dem Interview für sich entschieden hat: "Nichts Genaues weiß man nicht." Ja, das haben die "Kollegen" aber schon ganz offiziell vom Oberstaatsanwalt gehört. Das reicht nicht. Also wird die Polizeiinspektion antelefoniert. Vielleicht gibt es da einen "blöden Provinz-Wachtmeister", der sich verplappert. Aber erst einmal werden Fakten, Fakten, Fakten abgefragt, etwa: "Wieviel Altenheime gibt es denn in Ransbach, äh Ransweiler?" Der "Wachtmeister" zählt mal schnell im Geiste durch und antwortet nach der vorgetäuschten Denkpause: "Genau eins." Das war's. Was denken die denn überhaupt?! Mögliche "Parre"-Schlagzeile Vollkommen unbehelligt bleibt "de Parre" Klaus Gebhardt-Mersinger. Obwohl er als Seelsorgerg doch bei einer ernst gemeinten Recherche einer der ersten sein müsste, den man befragt. Schließlich geht Gebhardt-Mersinger im Altenheim regelmäßig ein und aus, gratuliert den Senioren zum Geburtstag, hält dort einmal im Monat einen Gottesdienst mit Abendmahl. So auch am Montag vor den "dubiosen Allergie-Symptomen". Gott sei Dank haben die "Presse-Geier" den Gottesmann nicht aufgesucht. Denn vieleicht hätten sie dann ja erfahren, dass "de Parre" am vorigen Montag zum ersten Mal überhaupt auf das Schlückchen Wein zum Abendmahl für die Senioren verzichtet, stattdessen Obstsaft eingeschenkt hat. Was ließen sich daraus für "herrliche Schlagzeilen" stricken - doch die Fernsehkameras und Mikrophone stehen am anderen Ende von Ransweiler. Und das ist gut so.
Jede
Sau weiß: Der Letzte löscht das Licht Mysterium "Wutzestall": Wenn der
Schweinemäster nicht mehr joggt und Stroh unter Quarantäne steht Von unserem Redakteur Lorenz Hofstädter Trixi und Tinka, die beiden Mischlingshunde, bellen und toben in ihrem Zwinger des gepflasterten Hofs, was das Zeug hält. Klar, auf dem Schild an dem großen Holztor ist es ja zu lesen: "Schweinestall. Zutritt für Unbefugte verboten". Aber was bedeutet die blaue Schüssel, gefüllt mit Holzraspeln und schaumiger Brühe, direkt hinter dem Tor? "Schuhe desinfizieren", sagt Schweinemäster Klaus Linn, "wir kommen vom schwarzen in den Mischbereich. Wie's im weißen weitergeht, erklär' ich gleich." Der Rundgang durch das Mysterium "Wutzestall" beginnt. "Hygieneschleuse" Heizraum Mit desinfizierten Schuhen geht's an den aufgeregten Trixi und Tinka vorbei in den Heizraum. Oder besser gesagt in die "Hygieneschleuse". In den Spinden liegen für die Besucher weiße XXL-Schutzanzüge bereit, klinisch reine Gummihandschuhe und Gummistiefel, Größe 48. "Die Übergrößen haben sich bewährt, die passen jedem", sagt Linn und hilft beim Zuziehen der Kapuze. Den Anzug hatte auch der massige Metzger an, als er vor dem Schlachten die Schweine schnell in Augenschein nehmen wollte. Doch ist es nix mehr, mit mal kurz in den Stall geguckt, und die Koteletts angezeichnet. Ohne Anzug, Handschuhe, Gummistiefel und Desinfektion läuft da nichts mehr. Und das alles nur wegen der Schweinepest, die in anderen Ställen des Donnersbergkreises festgestellt worden ist? Falsch. Diese Vorschriften und noch einige mehr stehen in der 19 Blätter umfassenden Hygieneverordnung für Schweinehalter. Für Linn gilt die "verschärfte" Version, da er mit 740 Schweinen über der Grenze von 700 liegt. Dass Linns Betrieb seit drei Wochen im "Beobachtungsgebiet der Schweinepest" liegt, kommt im wahrsten Sinne des Wortes "erschwerend" hinzu. Doch dazu später. Zuerst werden die Gummistiefel in einem weiteren Desinfektionsbad gesäubert. "Jetzt sind wir im weißen Bereich", informiert Linn. Mit anderen Worten: Wir sind jetzt so "clean", dass (endlich) einer der vier Linn'schen Schweineställe betreten werden kann. Die Wutze stehen dicht an dicht in den Boxen und voll im Saft. Normalerweise hat eine 100-Kilogramm-Sau in Linns Ställen ein Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung (gefordertes Minimum sind 0,7 Quadratmeter). Derzeit haben die Tiere allerdings etwas weniger Platz. Gut 40 Schweine haben bis zu 20 Kilogramm Übergewicht. Seit die Ställe auf dem Neubau zum Schweinepest-Beobachtungsgebiet gehören, darf kein Schwein den Hof verlassen oder geschlachtet werden. Der dicke "Kawenzmann", der gerade nach einem von der Decke baumelnden leeren Wasserkanister (auch der ist wegen des tierischen Spieltriebs vorgeschrieben) schnappt, ist einer der Kandidaten, die normalerweise längst in der Metzgertheke ausliegen würden. Mit 135 Kilogramm Lebendgewicht liegt er 15 Kilogramm über der "magischen" Grenze. Den besten Kilo-Preis erzielt der Schweinemäster mit Tieren zwischen 100 bis 120 Kilogramm. Bei allen, die darüber liegen, gibt's Preisabzug - egal wieviel Prozent Muskelfleisch die zwischen die Wirbel gehaltene Laserpistole ermittelt. Pro Schwein ist das Verlust für Linn von etwa 15 Euro - wenn er sie wieder verkaufen darf. In der Masse viel Geld, denn auch für Schweinemäster gilt: Kleinvieh macht auch Mist. Diät macht keinen Sinn Auf Diät kann er die überfälligen Schwergewichte nicht setzen, denn "ansonsten würden die sich gegenseitig auffressen". Bleibt die Hoffnung auf den 15. Oktober. Wenn keine weiteren Schweinepestfälle auftreten und bei seinen Tieren die stichprobenartige "Beblutung" positiv ausfällt, werden die Metzger und der Schlachthof dann wieder mit schweinischem Nachschub versorgt. Bis dahin hat Linn nur Ausgaben, aber keine Einnahmen. Es heißt, den Gürtel enger schnallen. Na, dann könnte er doch wenigstens tagsüber das Licht im Stall ausmachen, der Griff zum Schalter beim Hinausgehen bleibt jedoch aus. Ist auch Vorschrift. Für eine gewisse Stundenzahl am Tag muss für eine gewisse Luxstärke im Stall gesorgt werden. Entweder über Fenster oder aber eben mit einer Glühbirne. Jede Sau auf dem Neubau weiß: Der Letzte löscht das Licht. So gegen 18 Uhr, wenn Linn noch einmal durch die Ställe geht, so manche Sauerei wegkehrt - und das Licht ausmacht. Auf in den nächsten Stall. Auf dem Hof begrüßen uns wieder Trixi und Tinka. Gewohnt lautstark. Seit dem 1. Juli 2001, seit Inkrafttreten der Hygieneverordnung, haben sie den Hof nicht verlassen. Seitdem hat ihr 52-jähriges Herrchen das geliebte Joggen durch den Nordpfälzer Wald aufgegeben. Mit dabei natürlich Trixi und Tinka. Doch treiben sich rund um den Donnersberg einfach zu viele Wildschweine herum. Die Gefahr, aus dem Wald den Schweinepest-Virus vom Schwarzkittel-Überträger über Schuhe oder Pfoten einzuschleppen, wäre zu groß. So bleibt den Hunden wenigstens das Infektionsbad erspart, und nachts haben sie im "Mischbereich" Hof ihren Auslauf. Jetzt steckt ein Jungschwein gerade neugierig die "Schnuss" durch das Gitter. Auf ihrem Stallboden liegt Stroh aus. Das hatte Linn zuvor vier Wochen unter Quarantäne. Stroh frisch vom Acker ist schon lange tabu. Stichwort: Wildschweine. Es geht wieder zurück in die Hygieneschleuse. Die Stiefel werden zuerst mit dem Waserschlauch abgespritzt, dann in das Desinfektionsbad getaucht. Die Schutzkleider werden mühsam abgestreift, die Straßenschuhe angezogen. Mit diesen wird noch einmal am Hoftor durch die Desinfektionsschüssel "gewatschelt". Das Mysterium "Wutzestall" liegt hinter uns. Trixi und Tinka haben aufgehört zu bellen. |
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Wolfgang Ferner
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